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Kleine Fruchtfliege (Drosophila melanogaster)

Jeder kennt die kleinen ca. 2 mm großen Fliegen, die sich gerne auf reifes Obst setzen. Davon gibt es auch eine flugunfähige Form, die ich als Futter für Fische vermehre. Die Flugunfähigkeit ist von großem Vorteil, da die Fliegen dadurch sehr viel besser zu "handhaben" sind.

Futterwert:
Viele Züchter sagen zwar, daß die flugfähigen Fliegen produktiver sind, aber dies kann ich nicht bestätigen. Ich habe schon mit beiden Arten gearbeitet und konnte dabei keinen Unterschied in der Produktivität feststellen.

Ich schätze diese Fliegen, weil sie ein natürliches Futter sind. Zudem werden sie von sehr vielen Fischen liebend gerne gefressen. Außerdem sind Insekten reich an ungesättigten Fettsäuren. (Bremer; Aquarienfische gesund ernähren; Ulmer-Verlag)

Es kommt "Leben in die Bude" wenn man diese Fliegen füttert. Allerdings müssen die Fische es erst lernen, die Fliegen von der Oberfläche zu fressen. Anfangs werden sie immer wieder "ins Leere" beißen, ähnlich wie es uns ergeht, wenn wir unter Wasser einen Ball auf der Oberfläche treffen wollen.

Zucht:
Die Zucht ist einfach, und es gibt mit Sicherheit mehr Rezepte für die Zucht als es Züchter dieser Fliegen gibt. Trotzdem muß man einige Grundregeln beachten, will man Erfolg haben.



Mein Rezept seit vielen Jahren:
  • 75 g Banane
    Bananen nehme ich deshalb, weil ich aus meinem Bekanntenkreis laufend mit Bananen versorgt werde, die angeblich für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sind, nur weil die Schale schwarze Flecken bekommen hat. In Wirklichkeit sind sie erst jetzt richtig reif und für die Zucht der Fliegen sehr gut geeignet. Da ich immer mehr Bananen habe, als ich im Augenblick verbrauchen kann, werden sie eingefroren.
  • 8 g Trockenhefe (Bierhefe)
    Bierhefe kann man aus dem Reformhaus holen oder man nimmt, so wie ich seit einiger Zeit, die Bierhefe für Tauben aus der Mühle.
  • 15 ml Obstessig
  • 6 g Weizenkleie
  • 15 g Haferflocken
    Haferflocken nehme ich, weil dann der Brei fester am Boden des Gefäßes haftet, als wenn ich nur Weizenkleie nehme.
  • 2 g Vitakalk
    Vitakalk ist eine Marke und in der Mühle oder im Gartencenter mit Tiershop zu bekommen.
  • 1 g Rosenpaprika
  • 1 Messerspitze Nipagin (um Schimmelbildung zu verhindern)
    Nipagin bekommt man in der Apotheke, und daran scheiden sich die Geister. Ich nehme es auch nicht, aber da ich weiß, wie schwer man sich am Anfang tut, habe ich es hier mit aufgenommen. Es verhindert die Schimmelbildung.


Natürlich muß man nicht genau die Mengenangaben einhalten. Es soll nur für den Anfänger als Anhalt dienen.

Alle diese Zutaten gebe ich also in einen Becher und vermenge sie zu einem steifen Brei.



Fertig-Pulver:
Wer sich nicht so viel Arbeit machen will, der kann es mit einem Fertig-Pulver probieren.
Ich habe einige solcher Pulver ausprobiert, war aber mit keinem zufrieden. Lediglich mit dem von Dr. Bretz habe ich sehr gute Ergebnsse erzielt.
Man nimmt also 1 Teil Pulver und 1 1/2 Teile Wasser, wartet einige Minuten bis das Pulver das Wasser aufgesogen hat, gibt ein Klettergerüst (z.B. das grüne Eheim-Gespinnst welches als Filtereinsatz gedacht ist) hinzu, die Fliegen und verschließe das Gefäß. Fertig.

Leider habe ich keinen Lieferanten in Deutschland gefunden.
Lediglich die Firma Rana (gewerblich) in Holland liefert aber zuverlässig.




Zuchterfahrungen:
Wer den Brei aus den o.g. Einzelkomponenten herstellen will, muss ausprobieren, wie steif er zu sein hat, denn dies hängt ganz entscheidend vom Kleinklima ab.
Ist der Brei nicht feucht genug, so gebe ich noch etwas Wasser dazu.

Dem Anfänger rate ich, den Brei ruhig etwas feuchter zu machen und als Klettergerüst für die Fliegen einfach Zeitungspapier zu nehmen. Dieses saugt die überschüssige Flüssigkeit auf, so daß es nicht zu Problemen kommt. Sonst kann es nämlich passieren, daß der Brei noch zu flüssig ist wenn die Fliegen geschlüpft sind und entnommen werden sollen. Das Resultat ist dann, daß der ganze Brei ins Aquarium fällt, wenn man die Fliegen auf die Wasseroberfläche klopfen will.

Auf der anderen Seite darf der Brei aber auch nicht zu trocken sein, besonders wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht sehr hoch ist. Denn ein Nachfeuchten ist sehr problematisch, weil sich die Maden Gänge graben und in denen muß Luft sein, sonst ersticken sie. Feuchtet man also nach, so läuft evtl. Wasser in diese Gänge und die ganze Zucht stinkt nach einiger Zeit sehr stark, weil die Maden abgestorben sind.



Diesen Brei gebe ich dann in Ein-Liter-Weckgläser, die ich oben mit einem Leinenlappen abdecke. Der Lappen muß öfter ausgewaschen werden, weil er vom Kot der Fliegen verdreckt und dann kein Luftaustausch mehr stattfindet. Das Resultat ist dann eine verminderte Zuchtausbeute.

In die Gläser kommt dann der Zuchtansatz. Ich nehme immer frisch geschlüpfte Fliegen, damit habe ich die besten Zuchtergebnisse. Allerdings sollte man bei der Menge nicht knausern. Wenn ich lese, daß 10 oder 30 Fliegen als Ansatz zu nehmen sind, so meine ich, daß dies viel zu wenige sind. Wenn man 300 Fliegen nimmt, hat man auch keine Probleme mit dem Geruch oder mit der Schimmelbildung, denn wenn so viele Fliegen von der Oberfläche des Breies fressen, dann kann auch kein Schimmel aufkommen. Ebenso stinkt der Brei nicht, weil die vielen Fliegen auch viele Maden erzeugen, die den ganzen Brei auffressen.


Wenn also ein Fliegenansatz stinkt, haben wir etwas falsch gemacht!

Der Brei wurde nicht gefressen weil:
  • zu viel Brei in das Glas gefüllt wurde.
  • zu wenig Fliegen in das Glas gegeben wurden.
Mit anderen Worten:
Die Oberfläche Brei muß im richtigen Verhältnis zur Menge Fliegen stehen.



Die Gläser stelle ich dann bei ca. 23° - 25° C. auf. Wärmer sollte es nicht werden, denn man muß auch noch die Eigenwärme bedenken, die die Maden durch die Verdauung erzeugen. Sehr deutlich zeigen sie es uns, daß es ihnen zu warm ist, wenn sie sich unter dem Leinenlappen versammeln. Deshalb stelle ich die Gläser im Sommer auf den Steinfußboden.

Beachten sollte man noch, daß die Maden kein Temperaturgefälle vertragen. Die Generationsfolge wird dadurch unnötig verlängert.

Bei mir schlüpft alle 11 bis 12 Tage eine neue Generation. Und da ich sehr viele Fliegen in den Ansatz gebe, haben die letzten Maden nichts mehr zu fressen und entwickeln nur noch Kümmerformen von Fliegen. Das Resultat ist, daß ich 3 Tage lang sehr viele Fliegen habe zum Verfüttern und dann kommen nur noch wenige Kümmerformen. Dies bedeutet für mich, nach 3 Tagen ist Schluß, und es wird ein neuer Ansatz gemacht.

Verfüttern der Fliegen:
Wie die Fliegen zu verfüttern sind, habe ich schon geschrieben:
So muss die Asbeute sein am 1. und 2. Tag!
So muss die Ausbeute sein
am 1. und 2. Tag!.
Einfach aus dem Glas auf die Wasseroberfläche schütten, oder erst in einen Plastikbeutel geben und dann auf die Becken verteilen.
Bei diesem Ansatz ist festzustellen, dass der Feuchtigkeitsgehalt des Breies genau richtig bemessen ist, ein Zuviel an Wasser wurde vorher durch das Papier aufgesogen.
Es ist deshalb möglich, das Glas umzudrehen und durch einen leichten Schlag auf den Boden des Glases fallen die Fliegen in den Beutel.
Nun können sie bequem auf die einzelnen Becken verteilt werden.

Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass die Fliegen, auch wenn sie flugunfähig sind, sehr leicht ihrem Schicksal, gefressen zu werden, sich verstehen zu entziehen. Sie klettern auf alles was aus dem Wasser ragt.
Und es dauert auch nicht lange bis die ersten Fliegen durch nicht ganz dicht sitzende Abdeckscheiben kriechen und somit im Raum sind und ganz gezielt reifes Obst ansteuern.
Wer damit Probleme hat, sollte nur tote Fliegen verfüttern.
Ich lege daher den Beutel mit den Fliegen für ca. 10 Minuten in die Tiefkühltruhe. Dann sind sie mit Sicherheit gestorben.
Nebenbei: So kann man sich auch einen Vorrat anlegen für Zeiten, in denen gerade keine frisch geschlüpften Fliegen zur Verfügung stehen.


Diskussionsthema:
Nun noch ein Thema, welches schon zu hitzigen Debatten geführt hat.

Wie kommt es, daß plötzlich flugfähige Fliegen im Ansatz sind?

Zunächst können nur einige Fliegen im Kreise fliegen ohne direkt abheben zu können. In der nächsten Generation sind dann meist schon einige "Flieger" dabei.

  • Es wurde nicht sauber genug gearbeitet, so daß "Flieger" mit in den Ansatz gelangt sind.
  • Der Brei im Becher wurde evtl. nur wenige Augenblicke stehen gelassen, so daß ein "Flieger" einige Eier darin abgelegt hat.
  • Die "Flieger" geben ihre Eier durch das Leinen in den Ansatz.
  • Die "Flieger" "treiben" es durch das Leinen mit den flugunfähigen Fliegen. Und da die Flugfähigen dominant sind, kommen halt diese "Flieger".
Nun, zumindest das letzte Argument dürfte einer zu lebhaften Phantasie entsprungen sein. Wenn man sich vor Augen führt, daß die männlichen Fliegen von hinten aufsteigen! Wie soll dies also technisch vonstatten gehen?

Als Gegenmaßnahme wird empfohlen, das Leinen doppelt zu nehmen. Allerdings hat es bei mir auch nicht geholfen. Ich bekomme doch hin und wieder "Flieger" in die Gläser.
Inzwischen glaube ich, und damit stehe ich nicht allein da, daß die Fliegen vermutlich schnell wieder zurückmutieren können. Denn wenn sie in der Lage sind, mittels Mutation flügellos zu werden, können sie auch wieder mittels Mutation flugfähig werden.

Für mich ist dies aber kein Problem. In einem solchen Falle werden alle Fliegen aus diesem Ansatz verfüttert, und er dient nicht für einen neuen Ansatz.


Und so geht es auch !
Eine sehr "originelle"Fruchtfliegenzucht.



Auf diesen Seiten kannst Du auch etwas über die Zucht von Fruchtfliegen lesen.

Jürgen Böhm Andreas Kremser Thomas Schaeffer
Franz Scherleitner Christian Westhäuser Elly Stute


www.tegelhuetter.org
 
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