Grünalgen - Zuchtanleitung

(mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Döring übernommen)


Name: Scenedesmus, genauere Bistimmung war leider nicht möglich
Lebensraum: Teiche und Tümpel
Vorzugstemperatur: 20° (Zimmertemperatur)
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Beim Beginn einer Zucht wird z.B. eine 1-Liter Algensuspension auf 2 1-Liter-Milch- oder Mineralwasserflaschen verteilt. D. h. 1/2 Liter Algenwasser auf je 1 leere Flasche. Der Rest wird mit Leitungswasser aufgefüllt. Die Flaschen werden an einen hellen Platz gestellt, z.B. Fensterbank, aber ohne Prallsonne. In den Wintermonaten kann es erforderlich sein die Algen für einige Stunden zusätzlich zu beleuchten. Man verwendet dazu normale Neonröhren oder Energiesparlampen. Die Beleuchtungsphase sollte insgesamt mindestens 12 Stunden betragen (Natur und/oder Kunstlicht zusammen) Erhalten die Algen zu wenig Licht reduziert sich die Vermehrungsrate und sie erscheinen blasser.

In der Regel kommt man ohne zusätzliche Düngung aus. Sollte das Wachstum jedoch nicht in Gang kommen, werden einige wenige Tropfen Blumendünger beigefügt (2-3 Tropfen pro Liter). Gute Erfahrungen konnte ich mit Mairol und Substral Flüssigdünger verzeichnen.

Gelegentlich kann es vorkommen, daß nach Düngerzugabe oder auch bei direkter Sonnenbestrahlung alle Algen in kurzer Zeit zu Boden sinken. Die Algen sind deswegen aber nicht abgestorben sondern können durch aufschütteln wieder in Schwebe gebracht werden. U.U. muß das Aufschütteln mehrmals erfolgen. Haben sich die Algen gut vermehrt erweitert man die Zucht auf 4 Flaschen. (oder mehr, je nach Bedarf)

Die Flaschen müssen jeden Tag mindestens 2 mal aufgeschüttelt werden um ein Absetzen am Behälterboden zu verhindern. Möglich ist auch die Verwendung eines größeren Behälters mit einem Rührwerk, das über einen Zeitschalter angesteuert wird. Zur Verfütterung entnimmt man 2 Flaschen je 1/4 Liter Algenwasser und füllt wieder mit Leitungswasser auf. Am nächsten Tag nimmt man die 2 anderen Flaschen, so daß nach einer Entnahme immer ein Ruhetag zur Regenerierung bleibt. Verwendet man Behälter mit größerem Volumen muß die Entnahmemenge umgerechnet werden. Die angegebene Entnahmemenge kann nur als Anhaltspunkt gelten, da die Algenvermehrung stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängt (Temperatur, Wasserbeschaffenheit, Dünger, Licht).

Hier noch ein kleiner Tip: Haben Sie stark belastete Aufzuchtsbecken, so eignet sich das organisch belastete Wasser hervorragend zur Zucht der Algen. Natürlich nur, wenn Sie keine Medikamente in dieses Wasser geben.

Das Algenwasser sollte immer eine schöne grüne Farbe haben (je dunkler, um so dichter der Algenbestand). Nach ungefähr 3-4 Wochen wird sich am Behälterboden eine Schicht von abgestorbenen Algen ansammeln. Dann ist die Zeit für einen Neuansatz gekommen. Nach dem Aufschütteln wartet man 1/2 Stunde, die abgestorbenen Algen sammeln sich am Boden. Mit einem Luftschlauch zieht man vorsichtig soweit das Algenwasser ab, bis man an die abgesetzte Schicht gelangt, oder man gießt vorsichtig in eine andere Flasche um, ohne die abgesetzte Schicht mit in die neue Flasche einzubringen. Damit nur die kleinsten Algen in den neuen Ansatz gelangen, gießt man sie noch einmal über ein sehr feinmaschiges Sieb (Artemiensieb) oder über Watte. Dann wieder mit Frischwasser auffüllen, um das alte Niveau zu erhalten.

Auch die Behälter selbst müssen gewartet werden. Man spült sie am besten heiß aus und reinigt die Wände mit einer Flaschenbürste. Die Geräte für die Reinigung sollten nur für diesen Zweck verwendet werden und nicht sonst noch im Haushalt Verwendung finden.

Beachtet man diese wenigen Ratschläge, ist eine Zucht von Algen problemlos. Da es sich jedoch um lebende Organismen handelt, ist ein sorgfältiger Umgang absolut notwendig.

Hinweis für die große Zucht

Wer größere Algenmengen benötigt kann zur Kultivierung selbstverständlich auch größere Behälter, z.B. Aquarien, verwenden. Können diese Behälter nicht mit ausreichend Tageslicht versorgt werden muss mit Kunstlicht beleuchtet werden (z.B. Neonröhren). Zu beachten ist hierbei, daß der große Behälter schrittweise mit Frischwasser aufgefüllt wird, d. h. höchstens soviel Frischwasser zusetzen wie auch Algenwasser zugesetzt wird, dann erst wieder weiter auffüllen wenn die Algen sich ausreichend vermehrt haben usw. Die Pflegemaßnahmen entsprechen dann den bereits weiter oben besprochenen.

Zusätzliche CO²-Düngung

Die Algenkulturen können zur Leistungssteigerung mit CO² gedüngt werden. Ich verwende dazu 1-Liter Milchflaschen deren Verschluß mit einem Aquarienluftschlauch-Reduzierstück (4 auf 2 mm) versehen wurde. In die Flasche kommen 300 gr. Zucker, Weinhefe und 10 ml flüssiger Blumendünger, der Rest wird mit Wasser aufgefüllt. Das Wasser nicht bis oben hin auffüllen sondern ca 8-10 cm Freiraum lassen für den Fall das die Hefe aufschäumt. Weinhefe gärt bereits bei niedrigen Temperaturen und gärt auch über einen Zeitraum von 3-4 Wochen konstant. Sie ist z.B. in Raiffeisen-Lagerhäusern erhältlich. Neben der Düngung mit CO² werden die Algen auch besser in Schwebe gehalten. Zur Einleitung in die Algenkultur genügt ein Luftschlauch der in die Algenkultur eingehängt wird oder man steckt ein Plastikrohr auf das bis zum Boden des Kulturbehälters reicht. Über Nacht kann die Düngung fortgeführt werden.

Konzentrierte Algenernte

Benötigt man die Algen in konzentrierter Form ist normalerweise eine Zentrifuge notwendig. Man kann aber auch eine flache Wanne oder ein selbst geklebtes flaches Aquarium verwenden. Dort hinein gießt man z.B. 2 Liter Algenwasser und läßt es 24 Stunden stehen. Dabei sollte die Wasserhöhe 5 cm nicht überschreiten. Nach der vorgesehenen Zeit haben sich die Algen am Boden des Behälters abgesetzt und man kann in einer Ecke mit einem Luftschlauch das Wasser absaugen. Man befestigt z.B. mit einer Wäscheklammer den Schlauch so, daß er bis auf den Boden reicht und saugt mit einer Spritze an. Das Wasser läuft nun aus dem Behälter und nur in der Umgebung des Schlauches werden Algen mit ausgespült. Die meisten Algen bleiben am Boden und können durch leichtes hin- u. herschwenken des Behälters vom Boden gelöst und anschließend abgeschüttet werden. So ist es leicht möglich auch mit Süßwasseralgen Artemien zu füttern.

Zum Schluß noch eine Aufstellung über die benötigten Gegenstände.

4 1-Liter Glasflaschen zur Algenzucht, z.B. Mineralwasserflaschen. 1 Meter Luftschlauch. 1 Rührstab (Glas oder Holz) zum Aufrühren (1 bis 2 mal pro Tag, um ein Absetzen der Algen am Behälterboden zu verhindern). 1 Artemiensieb (sehr fein) und/oder Watte, z.B. feine Schminkwatte (Wattebäusche)

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